Wenn der Schein zur Erinnerung wird….. ….Der Traum

von Larissa Schwager

Im Schlaf erhalten wir die Fähigkeit, das Unmögliche möglich zu machen. Wir können in weit entfernte Länder reisen, Welten erschaffen und ein ganzes Leben innerhalb weniger Minuten durchleben. In den häufigsten Fällen bestehen unsere Trauminhalte allerdings aus den uns bekannten Gegenständen, Personen, Orten, Erfahrungen und Bewegungsabläufen, die im Schlaf verarbeitet werden. Die Summe dieser realen Erinnerungen wird in unseren Träumen neu verwoben und in andere Formen gebracht.
Im schlafenden Zustand schafft das subjektive Erleben, also die Perspektive unserer Wahrnehmung, demzufolge Scheinerinnerungen, die sich in einer Art Kurzfilm in unseren Köpfen abspielen. Manchmal erscheinen uns die Bilder so täuschend echt und ordnen sich derart ununterscheidbar in die Reihe unserer realen Erinnerungen ein, dass wir Schwierigkeiten haben zu differenzieren, wo der Traum beginnt, und die Realität aufhört.
Eine solche Frage können wir uns jedoch erst dann stellen, wenn wir uns überhaupt daran erinnern, geträumt zu haben, geschweige denn an den Trauminhalt. Denn obwohl davon ausgegangen wird, dass wir in jeder Nacht träumen, liegt der Durschnitt der Traumerinnerung in Deutschland bei einem Traum pro Woche.

DIE ERINNERUNG AN TRÄUME
Menschen die dazu neigen nachts häufiger aufzuwachen, erinnern sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit an ihre Träume, da sich das Geschehene in diesen kurzen Wachphasen in unser Gedächtnis einprägt.
In Verbindung damit spielt die Schlafphase, in der wir uns im Augenblick des Erwachens noch befinden, eine wichtige Rolle, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass wir uns an das Geträumte erinnern. Wenn wir uns in der REM-Phase befunden haben, dann ist es wahrscheinlicher, dass wir den Traum auch im wachen Zustand im Gedächtnis behalten. Bei der REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) handelt es sich um die Phase in unserem Schlafzyklus, bei der unser Gehirn am aktivsten ist. Kennzeichen des Rem-Schlafs sind beispielsweise schnelle Augenbewegungen, eine erhöhte Herz- und Atemfrequenz und eine verminderte Muskelspannung.
Beim Aufwachen wechselt nämlich unser Gehirn erst allmählich vom Schlaf- in den Wachzustand. Dieser Wechsel kann bis zu 15 Minuten dauern und ist gleichzeitig der Grund dafür, dass sich unsere Erinnerungen das subjektiv Erlebte nicht automatisch abspeichern. Sie bleiben im gewechselten Zustand, zwischen den einzelnen Phasen, also nicht zwangsläufig abrufbar.
Bei den Menschen, die in der Tiefschlafphase wach werden, prägt sich der Traum mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit in das Gedächtnis ein, da die Aufwachzeit in dieser Phase in der Regel von längerer Dauer ist. Demnach nimmt die Erinnerung an unseren individuellen kleinen Kurzfilm im Übergang zwischen den beiden Zuständen allmählich ab.
Zudem ist der Trauminhalt selbst maßgeblich für unser Vermögen uns an den Traum zu erinnern. Wenn mit dem Traum starke Emotionen verbunden sind, erinnern wir uns eher daran, weswegen Alpträume oft einen starken Eindruck hinterlassen. Hat man also Stress im realen Leben, wirkt sich das auf die Träume aus und letztlich auch auf die Erinnerung daran.

Ein basaler Faktor liegt im Gehalt des eigenen Interesses. Diejenigen, die sich eingehender mit ihren Träumen befassen, steigern zugleich die Wahrscheinlichkeit, sich an sie zu erinnern.
Ist es jedoch nicht vielleicht sogar sinnvoll, dass wir uns nicht gleichermaßen an unsere Träume, wie beispielsweise an unser erstes Date erinnern?
Stellen wir uns nur einmal vor, wir würden uns an unsere Träume im gleichen Maße erinnern wie an unsere realen Erfahrungen. Irgendwann wäre gar nicht mehr unterscheidbar was real und was traumbasiert ist, denn selbst unsere tatsächlich erlebten Erinnerungen verfälschen mit der Zeit. Würden wir nun zusätzlich ständig damit beschäftigt sein, das Subjektive von dem Realen zu unterscheiden, würde es letztlich wahrscheinlich im Chaos münden.
Die meisten von uns werden trotz des selektiven Traum-Erinnerungsvermögens bereits die Erfahrung gemach haben, sich zu fragen: » Habe ich das geträumt oder ist das wirklich passiert? «

WENN TRÄUME ZUR REALITÄT WERDEN
Bei diesem Phänomen, auch Dream-Reality Confusion genannt, kann die betroffene Person entweder ein reales oder ein traumbasiertes Erlebnis nicht eindeutig als solches bestimmen. In einer 2003 durchgeführten Studie haben 14 Probanden Tagebuch geführt, sowohl über ihre realen Lebensereignisse als auch über ihre Träume. Nach einem Zeitraum von zwei bis sechs Monaten kam es zu Fehlzuordnungen und Unsicherheiten bezüglich des Ursprungs der Erinnerung.
In einem solchen Fall verwendet jeder von uns, wenn auch teilweise unbewusst, bestimmte Strategien, um eine Einordnung in traum- oder realitätsbezogene Erinnerung vorzunehmen. Innerhalb dieses Vorgangs, der auch Dream-Reality Monitoring genannt wird, versuchen wir zum einen zu ergründen, wie plausibel das Ereignis erscheint und wie gut es in unsere Lebenssituation passt. Zum anderen analysieren wir die Beschaffenheit der Erinnerung. Die Erinnerung an derartige Träume zeichnet sich jedoch häufig durch eine hohe Lebendigkeit aus, weswegen es sich als schwierig herausstellt, dahingehend einen Unterschied zu machen.
Eine weitere Strategie liegt darin, das Gespräch mit Mitmenschen zu suchen, die entweder Teil des Trauminhalts waren oder möglicherweise durch örtliche Nähe Aufschluss geben können.
Die Strategien können natürlich individuell angepasst und kombiniert werden. Der Schlüssel liegt in einem geduldigen und beständigen Bemühen

TECHNIKEN FÜR EINE ERHÖHTE TRAUMERINNERUNG
Bewusstes Wiederholen des Trauminhalts unmittelbar nach dem aufwachen

Das Führen eines Traumtagebuchs

In den REM-Phasen wecken lassen (ca. 90 Minuten nach dem Einschlafen und früh morgens)

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